Heissluft-Ballons und die Tücken des Winters

Jährlich im Januar findet in Château d’Oex das internationale Ballonfestival statt. Für das Jahr 2012 bedeutet dies das 34. Festival.

Fast hundert Luftschiffe werden von Ballonfahrer aus ungefähr 20 Ländern mit lautem „Atmen“ in die Höhe gefahren! Ja gefahren, denn ein Heissluftballon fliegt nicht! In der Sprache der Ballonfahrt heisst das: er fährt.

Das aussergewöhnliche Festival zieht alle Jahre aufs Neue zahlreiche Besucher an. Die Ballonfahrten, die nächtlichen Licht- und Tonshows sind sehr eindrücklich. Der erste Heissluftballon übrigens, der die Welt im Jahr 1999 in 20 Tagen ohne Zwischenlandung umrundet hat, ist von Château d’Oex gestartet. An Bord des Breitlin Orbiter waren damals Bertrand Piccard und Brian Jones.

Bis anhin beobachteten wir die Vielfalt der Heissluftballone oftmals per Zufall nur aus weiter Ferne. Bei guter Sicht und je nach dem in welche Richtung der Wind bläst, war es auch von weitem ein Spektakel anzusehen und einige Momente des Innehaltens wert.

Diesmal aber sollte es anders sein… vor Ort und ganz nah am Geschehen wollten wir die geräuschvollen Atmungen hören.. wollten die züngelnden Flammen, welche die unwahrscheinlich grosse Zahl an m² Tuch langsam mit warmer Luft auffüllen, mit eigenen Augen und von Anfang an beobachten… Wir wollten sehen, wie sich die im Verhältnis sehr kleinen Tragkörbe mit den Ballonfahrern und gar einigen Gästen sachte von der Erde abheben, um später in luftiger Höhe absolute Ruhe, eisigkalte Luft und wunderbarste Ausblicke zu geniessen! Es wird wohl nichts  mehr  zu hören sein… ausser hin und wieder ein „pppfschschscht“… nämlich das Geräusch, wenn ein erneuter Flammenstoss die riesige Stoffmasse daran hindern soll, an Höhe einzubüssen….

Eigentlich wollten wir bereits für das Wochenende vom 21./22. Januar 2012 nach Château d’Oex reisen, doch die Wetteraussichten waren miserabel: Regen im Flachland, erneut grosse Schneemengen in den Bergen  und böige Winde! Kein Spatz schwingt sich bei diesen Aussichten Richtung Himmel und schon gar nicht ein Heissluftballon! Absolut kein Wetter für die Ballonfahrt!

Grundsätzlich lassen wir uns bei den Vorhaben für Time-outs nicht vom Wetter beeinflussen, doch diesmal war es anders. Also tippte ich am Donnerstag kurzerhand eine E-Mail an den Inhaber des vorreservierten Standplatzes mit der Bitte, die Reservierung um eine Woche zu verschieben. Antwort: J’ai bien noté votre réservation!

Als René am Samstagmorgen dann auch noch mit Grippesympthomen erwachte, wussten wir, dass es richtig war den Ausflug zu verschieben, auch wenn es uns alles andere als leicht gefallen ist. Unsere Vorfreude auf die Zeit im Wohnmobil ist jeweils unbeschreiblich gross, auch wenn es nur für zwei Tage ist…

Anfang Woche konnten die Wetteraussichten fürs Wochenende in den Waadtländer Alpen schon fast mit herrlich zusammengefasst werden. Doch mit jedem weiteren Wochentag veränderten sich die Prognosen und wir standen erneut vor der Entscheidung: fahren wir, oder fahren wir nicht? Immerhin soll es am Sonntag mindestens nicht schneien und mit etwas Glück gar ein paar Sonnenstrahlen geben. Also war unsere Antwort klar: Wir fahren nach Château d’Oex!

Freitagabend, kurz vor 19:00h sind wird beim CP vorgefahren und suchten uns, wie mit dem Platzwart im vorgängigen Telefongespräch am  Nachmittag ausgemacht, einen Platz aus. Es war nicht ganz einfach, da doch beachtlich Schnee lag und die Plätze nicht wirklich freigeräumt waren. Während wir unseren gewohnten Handgriffe zur Installation verrichteten, blicketen wir immer wieder zum Himmel. Genau um 18:58h (gemäss Festprogramm) startete die „Lichtshow“. Nein, es war kein gewöhnliches Feuerwerk: Am südlich liegenden Hang konnten Ballonformen mit Fakeln abgesteckt bewundert werden. Plötzlich waren da auch „Fallschirmjäger“ mit Feuer speienden Lichtern am Himmel zu sehen und im Background tolle Musik zu hören… ein nicht alltägliches und schier unbeschreibliches Bild!

Nachdem wir am Samstagmorgen dann auch die Anmeldung erledigt hatten, machten wir uns zum nahegelegenen Festivalgelände auf. Der Wind blies relativ kräftig, es war kalt und somit perfektes Wetter für all die Schneeflocken, die vom Himmel tanzten, nur nicht für die Heissluftballons! Tja, es war mehr als klar, dass bei diesem Wetter kein Ballon in luftige Höhe steigen wird, doch immerhin hatten wir die Aussicht, dass sie mit warmer Luft aufgeblasen werden sollten und so  Eindrücke der Dimensionen erhascht werden können. Gerade als wir uns dem Gelände näherten, erhoben sich die ersten Bäuche der Stoffmassen und nahmen langsam, gaaanz langsam die Form des bekannten Bildes eines Heissluftballons an!

Trotzdem der Festanlass mehr oder weniger während beiden Wochen unter schlechten metreologischen Bedingungen stand, liessen sich die Ballonfahrer nicht entmutigen und heizten ihren Ballons tüchtig ein, liessen diese aber nicht von der Leine! Mit etwas Geduld und Ausharren in der Kälte konnten wir schliesslich noch Formballons bestaunen. Unseres Erachtens der Schönste, bäumte sich geradezu majestätisch langsam auf, als wir nach dem Genuss einer wärmenden heissen Schockolade, resp. Ovomaltine aus der Festhalle spazierten:

Bagpiper von Muir Moffat aus Schottland

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