Le Barrage Grande Dixence auf 2365 m ü.M.

Die im Wallis stehende, grösste Gewichtsstaumauer der Welt, die Grande Dixence  feierte ihr 50-jähriges Jubiläum. René überraschte mich mit einem bereits ausgearbeiteten Ausflug zu diesem unglaublich eindrücklichen Bauwerk.


Nachdem wir am Samstagmorgen unsere wöchentlich widerkehrenden Arbeiten in der Werkstatt erledigt hatten, sind wir mit unserem Wohnmobil Richtung Sion losgefahren. Nicht zuletzt des wunderschönen Herbstwetters wegen gerieten wir schnell in eine Art Vor-Ferienstimmung!

Die Hinfahrt ins Wallis empfinden wir immer besonders schön, eine gegensätzliche und doch in sich verschmelzende Landschaftsvielfalt: die Flachebene,  entlang dem Genfersee, hinweg über die Dächer von Montreux bis hin zur „Taleinfahrt“ Wallis kurz vor Martigny und dann wiederum entlang der Rhone, welche von Bergen eingerahmt in graziöser Breite durchs Tal fliesst.

Die südlich ausgerichteten Weinberge ergeben nicht nur im Herbst, wenn die Blätter farbig werden und die Traubenernte im Gange ist, sondern auch in allen anderen Jahreszeiten ein tolles Bild. Die terrassenförmig angelegten Parzellen sehen von weitem aus, als hätte jemand versucht die südlich liegenden Bergseiten in unterschiedliche Teritorien zu gliedern…

Kurz vor Sion haben wir die Autobahn verlassen, um weiter Richtung Val d’Hérémence zu fahren, an dessen Ende mächtig und majestätisch die Grande Dixence den Lac des Dix zähmt. Nicht nur die Steigung, sondern auch die Anzahl Kurven sind beachtlich! Mit einem grossen Fahrzeug, wie wir eben unterwegs sind, (Länge: 6,5 m / Höhe: 2,65 m / Breite: 2,75 m) ist Beherrschung der Masse angesagt! Die Strassen sind teils so eng, dass nicht einmal zwei Personenwagen nebeneinander vorbei fahren können. Auf der einen Seite sind es die Felsen, welche den Strassenrand markieren und auf der anderen Seite… hat man etwas schwächere Nerven, was dies anbelangt (so wie ich!), sieht man besser gar nicht hin…

Wie immer bewältigte René jede etwas kritischere Situation mit höchster Konzentration und absoluter Souverenität! Es geht eben nichts über einen Chauffeur, der sein Fahrzeug ganz genau kennt… :-)

Endlich und nach einer „Gassipause“ für Filou auf dem Parkplatz angekommen, staunten wir nicht schlecht: wir waren nicht die einzigen Wohnmobilisten in dieser Höhe!

Weil wir nicht genau wussten, was uns „oben“ alles erwartet, haben wir beschlossen, Filou besser im Womo zu lassen. Er sitzt dann jeweils auf dem Fahrer- oder Beifahrersitz, je nach dem in welche Richtung wir vom Womo weglaufen und wartet geduldig auf unsere Rückkehr. Selbstverständlich sind wir immer darauf bedacht, dass Filou auch einen gefüllten Wassernapf zur Verfügung hat, das Fahrzeug wenn möglich im Schatten steht und die Dachlucke einen Luftaustausch zu lässt!

Der Aufstieg zur Staumauer war nicht ganz ohne, so dass wir uns in die Reihe stellten, um mit der kleinen Seilbahn nach oben zu fahren. Die Gondelbahn kann ca. 15 Personen aufs Mal befördern. Auf dem Grat der Mauer angekommen gönnten wir uns erst mal einen Kaffee. Unten beim Hotel war der Andrang gross, da doch Jubiläumsfeierlichkeiten im Gange waren. Das Selbstbedienungs-Iglou liegt bereits kurz vor dem Mittag im Schatten des La Berma-Berges, so dass wir nicht allzulange sitzen geblieben sind und uns definitiv auf zum Spaziergang über die Staumauer gemacht haben.

Steht man dann so mitten auf dem gigantischen Bauwerk und geniesst den Blick über den in den Bergen eingebetten Lac des Dix, ist es kaum vorstellbar, dass hier vor mehr als 50 Jahren  ca. 3’000 Menschen in einer Gemeinschaft gelebt und sich ähnlich einem Dorf organisiert haben! Es gab Poststellen, kleine Tante-Emma-Läden, Spitäler, ja gar Sportvereine wurden gegründet. Die harte Arbeit wurde zur damaligen Zeit nur von Männern ausgeführt, trotzdem sind auf den Bildern in der Ausstellung auch Frauen zu sehen. Die Frauen sind oftmals für ein paar Wochen ins „Grande-Dixence-Dorf“ gezogen, weil es damals gar nicht möglich war, dass die Männer wöchentlich nach Hause zurück kehren konnten. Der Bau wurde im 24 h-Takt und dies 7 auf 7 Tage vorangetrieben!

Wenn wir anhand des Jubiläums zurück rechnen, hat der Bau der Grande-Dixence im Jahr 1951 begonnen. Davor wurde aber bereits eine erste Staumauer gebaut, deren Bauzeit von 1929 – 1935 dauerte. Diese erste Staumauer wurde mit der Fertigstellung der Grande Dixence mit dem Wasser des Stauwerks überflutet und ist heute nur noch bei niedrigem Wasserstand zu sehen. Wie unglaublich zügig die Bauarbeiten zu dieser Zeit vorangekommen sein mussten lässt sich dadurch erahnen, dass die Gewichtsstaumauer mit einer Höhe von 285 m, Breite 15 m und Länge 700 m, drei Jahre vor dem geplanten Abschluss und somit innerhalb von 10 Jahren fertiggestellt worden ist! Eine gewaltige Leistung!

Die Wasserkraftanlage speist die Wassermenge von 35 Walliser-Gletschern: ein Einzugsgebiet von mehr als 420 km2 mit 75 Wasserfassungen, 5 Pumpstationen und ca. 100 km Zulaufstollen. Im Lac des Dix, der eine Länge von 5,3 km aufweisst, werden  400 Millionen m3 Wasser von der Gewichtsstaumauer zurückgehalten, womit ein Fünftel der Speicherenergie für unser Land produziert wird!

Dieser Ausflug war einmal mehr sehr eindrücklich, nicht zuletzt der Naturkraft wegen, aber auch weil es aufzeigt, wie wir damit umgehen und diese auch sinnvoll nützen können. Sieht man dann in der Ausstellung noch das Gefäs mit einem Liter Wasser gefüllt, daneben eine Glühlampe liegend und davor ein Schild stehend, welches aussagt, dass 1 Liter Wasser ausreicht, um diese Glühlampe für eine Stunde leuchten zu lassen, ja dann sollten wir uns wirklich mit dem Thema erneuerbare Energie auseinandersetzen und Aussagen wie: „Wir sitzen doch alle auf der selben Kugel, was spielt es da also für eine Rolle, wo die AKW’s stehen………..!“ grundsätzlich überdenken…

Unseren persönlichen „kleinen Beitrag“ leisten wir damit, dass wir wo immer möglich keine unnötige Energie verbrauchen! (Standby etc.)

Einige, die unsere letzten Postbeiträge im Bezug auf den Teichbau gelesen haben, mögen nun vielleicht sagen: das passt ja… und die Pumpe im Teich, braucht die etwa keine Energie??

Aber sicher doch: all jenen können wir nur sagen: auch hier leisten wir unseren Beitrag: wir betreiben eine Solar-Hybrid-Teichpumpe und sämtliche Lichter die bei Einbruch der Dunkelheit zu leuchten beginnen, werden mittels Solartechnik betrieben!

Die Solartechnik als solches ist für uns übrigens bereits eine länger diskutierte Thematik im Bezug auf unser Wohnmobil… ein weiteres Projekt, das mehr und mehr Form annimmt!

Im späteren Nachmittag sind wir gemütlich nach Sion zurück gefahren, haben uns einen lauschigen Übernachtungsplatz ausgesucht und uns ganz einfach ein paar mussige Stunden zu zweit gegönnt, bevor wir am nächsten Tag nach einem ausgiebigen Frühstück und erneut hastloser Zeit den Nachhauseweg in Angriff genommen haben.

Wer mag, kann hier noch einige Informationen zu den unterschiedlichen Bauarten der Staumauern nachlesen….

Gewichtsstaumauer (Beispiel im Wallis: Grande Dixence)

Sie besitzt grundsätzlich einen dreieckigen Querschnitt, der an der Sohle sehr breit ist und sich zur Mauerkrone hin verjüngt. Das Gewicht der Betonmauer wirkt dem Wasserdruck entgegen. Eine Zwischenlösung stellt die Bogengewichtsstaumauer dar. Ihre Stabilität hängt ebenso von ihrer Eigenmasse wie von der Übertragung des Wasserdrucks auf die Talflanken ab.

Erdschüttdamm (Beispiel im Wallis: Mattmark)

Beim Erdschüttdamm handelt es sich um eine Aufschüttung grosser Materialmengen, um das Wasser zu stauen. Er besitzt in der Mitte einen völlig wasserdichten Kern, der auf beiden Seiten durch Hinterfüllungen und Steinschüttungen verstärkt ist. Im Gegensatz zu den Betonstaumauern haben die Erdschüttdämme einen Querschnitt, der eine viel grössere Breite als Höhe besitzt.

Bogenstaumauer (Beispiel im Wallis: Mauvoisin)

Die Bogenstaumauer verbindet klare Linien mit einem Eindruck von Leichtigkeit. Anstatt dem Gewicht des Wassers frontal entgegenzuwirken, überträgt die Bogenstaumauer den Wasserdruck mit Hilfe einer horizontal und vertikal gebogenen Betonmauer auf die Talflanken. Der Bau einer solchen Staumauer hängt von der Form des Tales und der Geländebeschaffenheit ab.