Platz Nr. 35

Nach hektischen Tagen, die eine erneute Auseinandersetzung mit der Vergangenheit gefordert haben und auch noch weiter fordern werden, gab es für uns nur ein Wochenendprogramm: Time-Out!

Bis Samstag kurz vor dem Mittag war das Vorhaben klar, nicht aber das Ziel, was für uns jedoch kein beunruhigender Gedanke ist…

Kurz ein Blick ins Internet und schnell war klar: Berner Oberland, genauer Brienz soll unsere Erholungsoase sein. Innert kürzester Zeit, wie gewohnt waren wir reisefertig und on the road. Nach ca. einer Stunde sind wir angekommen. Wie so oft kurz nach dem Mittag war niemand an der Reception, so dass wir im anliegenden, zum Campingplatz gehörenden Bistro nachgefragt haben, ob denn überhaupt noch ein Platz frei ist. Dass scheinbar ein ausserordentliches Treffen (VW-Käfer) stattfindet, war schon von weitem unübersehbar! 

Der nette Herr vom Bistro erklärte uns, dass die Reception wohl erst gegen 14:30h wieder besetzt sei, wir sollten doch die Liste im Aushängekasten beachten, uns einen Platz aussichen, welcher nicht auf der Liste aufnotiert ist aussuchen und uns installieren. Das sollte grundsätzlich klappen und falls wir dann doch noch umziehen müssten, wäre es mit einem Wohnmobil nicht ganz so aufwendig wie mit einem Wohnwagen oder gar Zelt.

Die Aussicht, unter Umständen uminstallieren zu müssen, gefiel uns nicht sonderlich, genauso wenig, dass wir uns all die Nr. der Plätze, es waren an die 20 Stück, merken und danach einen aussuchen sollten… René und ich diskutierten kurz darüber, ob wir nicht vielleicht doch besser bis nach Meiringen zu einem uns bereits bekannten Camping fahren sollten.

Auf der anderen Seite machte uns das, was vom Receptionhäuschen aus zu sehen war neugierig! Wir packten also einen Notizblock, notierten all die aufgelisteten Nr.  und machten uns zum Spaziergang über den Campingplatz auf. Wie auf dem Foto zu sehen ist, hat sich unser Entscheid mehr als gelohnt! Wirklich ein wunderbarer Ort und im wahrsten Sinne der Worte: mit dem See vor der Haustür!


Das anfänglich etwas mulmige Gefühl bezüglich der grossen Ansammlung von Veteranen-Autos und ihren Lenkern, nämlich dass es nicht ganz so ruhig sein wird, verflog schnell. Die meist jungen Menschen mit ihrem teils etwas fanatisch gelebten Hobby zeigten sich äusserst rücksichtsvoll gegenüber den anderen Campern. Sie erfreuten sich an jedem, der eine Spur Interesse zeigte, und war es nur damit, kurz durch die auf dem Gelände ordentlich parkierten Autoreihen zu schlendern, so wie wir es vor dem Eindunkeln machten. Nebst der Freude an der Gemeinsamkeit konnten wir auch Solidarität spüren…

Ein alter, ausgebrannter, total verrosteter VW-Buss weckte das allgemeine Interesse. Im ersten Augenblick dachten wir, es sei ein Gag auf der Veranstaltung. Nach Recherchen im Internet fand ich jedoch heraus, dass eine Geschichte dahinter steckt … wen’s interessiert:

http://www.hopeforchrigu.ch

Am Sonntag morgen war es etwas zu frisch, d.h. zu zügig um draussen das Frühstück zu geniessen, was am See ganz normal und somit für uns kein Ärgernis war, Kaffee und frisches Brot schmeckt in unserem gemütlichen Womo genauso gut! Ohne Hast und Eile haben wir nach der Stärkung zusammengeräumt und sind auf der Hauptstrasse am rechten Seeufer des Brienzersees Richtung nach Hause gefahren, wo wir den verbleibenden Nachmittag auf der Terrasse haben ausklingen lassen.

Spontan dem Alltag für einen Moment den Rücken zuzuwenden ist eine wunderbare Möglichkeit, welche ich seit diesem Wochenende noch viel mehr schätze, als ich es bis anhin bereits tat… Konstellationen und Gegebenheiten, welche mehr Energie abzapfen als man eigentlich zulassen möchte sind zwar nicht weg, doch kann mindestens ein Moment Distanz und somit vielleicht auch wieder ein anderer Blickwinkel gefunden werden…!

Mitfühlende und konstruktive Gespräche vermitteln zusätzlich das Gefühl des „getragen werden“, was für mich bis vor bald genau 5 Jahren nicht selbstverständlich war, schlimmer noch, ich hab’s nicht gekannt, nur geahnt, dass es so sein sollte! Als hätte das Ganze abschliessend einen wunderschönen Rahmen benötigt, habe ich von meiner in kürze 20-jährigen Tochter Tanja ein wunderschönes Kompliment an mich als Mensch und nicht als Mami erhalten…

Herzlichstes Danke René und Tanja….