Eiskalte Naturwunder in Versoix

Die Temperaturen sind europaweit mehr oder weniger unverändert und doch schon mehrere Wochen im sehr frostigen Minusbereich! Einige Seen sind gar zum Schlittschuhlaufen, Spazieren und Verweilen freigegeben.

Solche Kältewellen soll es ca. alle 10 – 15 Jahre geben, haben wir in einer Dokumentationssendung gehört. Diese Zahl hat mich für kurze Zeit in die Vergangenheit versetzt und mir kam in den Sinn, dass ich selber ca. mitte 1990 bereits einmal eine solch anhaltende Kältewelle  bei uns in der Schweiz erlebt habe.

Damals fuhr ich an den nahegelegenen Murtensee, an eine Ecke dir mir bereits seit meiner Kindheit bekannt ist und fand den Anlegesteg in der Tat tief in Eis verhüllt! Es war beeindruckend, die Bilder habe ich nie mehr vergessen…

So nahmen wir uns bereits fürs letzte Wochenende vor, erneut an den besagten Ort zu fahren und uns ein Bild der Natur zu verschaffen. Leider passte unser Vorhaben dann doch nicht mehr in unsere Terminplanung. Unsere Handwerksarbeiten zu Hause und der für Sonntag eingeladene Besuch sprengte bereits mehr oder weniger die zur Verfügung stehende Zeit.

In Anbetracht dessen, dass die Temperaturen weiter im Minusbereich bleiben sollten, ärgerten wir uns nicht, ganz im Gegenteil, wir fassten das Naturspektakel einfach als nächstes Ausflugsziel.

Durch gigantisch eindrückliche Bilder in den Medien wurde ich zusätzlich auf Versoix am Genfersee aufmerksam. Also fragte ich René, ob er sich am Sonntag entführen lassen würde, oder ob er für diesen Tag bereits eine andere Planung habe. Natürlich hatte er keinen anderen Plan und natürlich lässt er sich sehr gerne überraschen, was ich immer wieder gerne in Angriff nehme!

Also besorgte ich zwei Generalabonnement-Tageskarten der SBB AG und teilte René mit, dass es mind. eine bis zwei zusätzliche Kleiderschichten für unser Ziel benötigt.

Warm eingepackt setzten wir uns um 10:10h in den Zug, und kamen nach zweimal umsteigen (Neuchâtel und Genève) um 12:16h in Versoix an. Wir waren übrigens nicht alleine mit der Idee zu diesem Ort am Genfersee zu reisen. Bereits auf der Fahrt von Genève nach Versoix witzelten René und ich, dass  die Bahnwagons ab Versoix von der Lokomotive wohl leer nach Coppet weiter gezogen werden. Tja, ganz leer waren die Wagons dann doch nicht, aber viele Reisegäste sassen  in der Tat nicht mehr auf den Sitzplätzen!

Die Bise wehte uns gleich beim Aussteigen kräftig um die Ohren, so dass wir unsere Stirnbänder noch etwas zurecht rückten, die Halstücher etwas höher zupften und möglichst rasch dem Menschenstrom folgten. Alle hatten dasselbe Ziel. Einen Moment lang konnten wir im Windschatten der Häuser am Seeufer entlang marschieren. Dies war sehr angenehm, denn die Sonne lachte vom Himmel und vermittelte einem so ein Gefühl der Wärme!

Und plötzlich standen wir dann da: erneut der mit aller Kraft wehenden Bise ausgesetzt, doch mit einem wunderschönen Anblick beglückt… Wie bereits erwähnt, wir haben einige Bilder in den Medien gesehen, die Eiskunst und das Schaffen der Natur mit den eigenen Augen zu sehen übertrifft dann aber doch alles!


Die komplett vereiste Anlegestelle der Schifffahrt bot bereits ein spektakulärer Anblick, die Bäume indess waren ein anderes, sehr besonderes Bild!


Dass denn die Autos, 3 Stück an der Zahl, ebenfall nicht nur ein-, sondern auch festgefroren waren, ergab ein zusätzlich schier unglaubliches Bild!


Die Promenade war komplett vereist und das Gehen war ein nicht allzu leichtes Unterfangen. Vorsichtig wie alle andern auch, tasteten wir uns Schritt für Schritt vor und bestaunten was die Natur mit Wind, Wasser und Kälte erschaffen hat.

Länger als eine halbe Stunde hielten wir es aber nicht aus, soooo kalt war es!

Also machten wir uns auf den Rückweg Richtung Bahnhof in der Hoffnung, ein geöffnetes Restaurant zu finden. Leider zerschlug sich unsere Hoffnung innert kürzester Zeit: keine Gaststätte, aber wirklich keine einzige war geöffnet! Dies war für uns nicht verständlich, zumal Versoix gar in einer Deutschen Nachrichtensendung ein Interview mit einem der Besitzer der ein- und festgefrorenen Fahrzeuge ausgestrahlt hat!

Besucher aus nah und fern waren zu erwarten… doch die Türen sämtlicher Restaurants blieben geschlossen… gerade mal zwei Bäckereien waren geöffnet… doch ein Croissant oder ein Stück Torte war in dieser Situation nicht gerade das, was man sich zur Erwärmung wünschte. Ja gar der Kiosk am Bahnhof war geschlossen, wir waren sicher, als wir angekommen sind, war er noch geöffnet… da hätte es zumindest einen wärmenden Kaffee gegeben…. eben wenn…

Das Warten im unverschlossenen, aber immerhin sonnig gelegenen „Wartesaal“ (3 Glaswände und ein paar Sitzbänke) war etwas mühsam, doch das Beobachten, wie die unterschiedlichsten  Menschen mit Wartezeiten umgehen, liess die Zeit  etwas schneller vergehen, als erst geglaubt.

Zufrieden sind wir  kurz vor 17:00h wieder zu Hause angekommen. Resultat der Reise: Nebst einem tollen Erlebnis, imposanten Eindrücken, einigen Fotos und eine schier unbeschreibliche Müdigkeit!

Die in den Knochen steckende Kälte vermengt mit der wohligen Wärme zu Hause liess uns gerade noch etwas Energie zur Begutachtung der Fotos und einem anschliessenden kleinen Nachtessen… danach waren auch die letzten Reserven aufgebraucht! Wir gingen sehr früh zu Bett…

Hier geht’s zur Fotogallerie:

[button link=“http://www.rensan.ch/fotogallerie/schweiz/versoix-am-genfersee-2012″ color=“silver“ newwindow=“yes“] Versoix am Genfersee 2012[/button]